Bei Dryden Aqua Ltd. in Schottland, nahe Edinburgh, beginnt sauberes Wasser mit einem Sekundärrohstoff, der für viele wie Abfall aussieht: gebrauchte Glasflaschen. Aus grünem und braunem Recyclingglas produziert das Unternehmen AFM® (Activated Filter Media). AFM® ist ein aktiviertes biofouling-resistentes Filtermedium auf Glasbasis, das in der Trinkwasseraufbereitung, in Schwimmbädern, in der Aquakultur sowie in industriellen und kommunalen Wasseranwendungen zum Einsatz kommt.
„Wir möchten sauberes Wasser für alle ermöglichen“, sagt Jamie McBride, Operations Director bei Dryden Aqua.
Jamie McBride ist der britischen Glasrecyclingbranche aufgewachsen; sein familiärer Hintergrund und seine jahrzehntelange Erfahrung in der Aufbereitung von Altglas prägen seinen Blick – vom klassischen Cullet-Recycling bis zur hochpräzisen Herstellung von AFM®. „Die Qualität des Filtermediums hängt vom Ausgangsmaterial ab: und damit von der Fähigkeit, Recyclingglas äußerst präzise aufzubereiten“.
Die Idee geht auf Dr. Howard Dryden zurück, den Gründer von Dryden Aqua. Als Meeresbiologe beschäftigte er sich mit den Bedingungen, unter denen Meeressäuger in künstlichen Becken gehalten wurden. Die Filtration war häufig unzureichend, die Systeme mussten stark chloriert werden, und Sand als klassisches Filtermedium zeigte eine zentrale Schwäche: Auf seiner Oberfläche kann sich Biofilm bilden. Sein Ziel war ein Filtermedium, das Wasser effizienter reinigt und zugleich bessere Voraussetzungen für Mensch, Tier und Umwelt schafft.
Nur das richtige Glas wird zum Rohstoff
Dryden Aqua erhält Altglas aus ganz Schottland. Entscheidend sind das grüne und braune Glas, da beide die spezifischen Eigenschaften mitbringen, die im weiteren Aktivierungsprozess benötigt werden. Deshalb schleusen Sortiersysteme Weißglas, Metalle, Keramik, Steine, Porzellan (KSP) und andere Störstoffe aus, bevor aus dem Glas ein hochwertiges Filtermedium entsteht.
„Unsere Standards sind extrem hoch, denn es geht um Wasser – um Trinkwasser“, betont McBride. „Die Reinheit des Materials ist von Anfang an entscheidend.“
In der Voraufbereitung entfernen Metallabscheider Eisen- und Nichteisenmetalle, etwa Kappen, Deckel und andere metallische Rückstände. Anschließend übernimmt die MSort AX Twin die 1. Sortierstufe, die Trennung von Weißglas, auch Flintglas genannt, aus der grünen und braunen Glasfraktion. Die MSort AX wird bei Dryden Aqua für die Feuchtsortierung ab einer Korngröße von 6 Millimetern eingesetzt. Für die 2. Reinigung des Materials kommen MSort AF Sortiersysteme zum Einsatz. Sie sortieren trocken im Kornband von 4 bis 60 Millimetern und trennen insbesondere KSP-Störstoffe ab. Das Material wird gleichmäßig aufgegeben, über Sensorik nach Farbe und Form analysiert und präzise getrennt. Das Ergebnis ist eine saubere, hochwertige Grün- und Braunglasfraktion, die intern auch als „Gramber“ bezeichnet wird.
Diese Fraktion bildet die Grundlage für das Filtermedium. Dryden Aqua bietet es in unterschiedlichen Korngrößen an – von besonders feinen Qualitäten (0,25 mm) für anspruchsvolle Filtrationsaufgaben bis hin zu gröberen Körnungen bis 6 mm.
Technische Präzision und Partnerschaft über Jahrzehnte
Für Dryden Aqua ist die Sortierung ein entscheidender Qualitätsschritt. McBride vergleicht die Sortieranlage deshalb mit einer Niere: Wie das Organ im menschlichen Körper extrahiert sie unerwünschte Stoffe aus dem Strom. Die Zusammenarbeit zwischen Dryden Aqua und der heutigen STEINERT MSort reicht weit zurück. Jamie McBride spricht von einer Beziehung zu MSort und früher Mogensen, die seit nahezu 30 Jahren besteht. In dieser Zeit ging es darum gemeinsam eine Produktionslogik zu entwickeln, die zu den besonderen Anforderungen von Dryden Aqua passt.
„Bei Dryden mussten wir eine Million Fehler machen, um ein oder zwei Lösungen zu finden“, sagt McBride. „Das ist echte Pionierarbeit, echte Forschung und Entwicklung. Dafür braucht man Partner, die mit einem arbeiten – und nicht jede Idee sofort als verrückt abtun.“
Diese Haltung beschreibt die Partnerschaft zwischen Dryden Aqua und STEINERT: technische Präzision auf der einen Seite, Offenheit für Entwicklungsarbeit auf der anderen.
„Dryden Aqua denkt Sortierung nicht als Standardprozess, sondern als entscheidenden Qualitätsschritt für ein hochsensibles Produkt. Genau das macht die Zusammenarbeit so besonders: Wir können mit Jamie McBride Ideen durchspielen, technische Möglichkeiten ausloten und Lösungen entwickeln, die zur hohen Reinheit des Altglases beitragen“, sagt Eddie Lüth, Sales Manager bei STEINERT MSort.
„Wir haben die beste Technologie aus verschiedenen Industrien genommen und in unsere Anlagen in Schottland und an unserem Hauptsitz in der Schweiz integriert“, so McBride. „Das ermöglicht uns, das Glas konstant zu dekontaminieren und eine sehr hohe Farbqualität und Farbreinheit zu erzeugen. Genau das ist der Ausgangspunkt für die Herstellung unseres AFM®.“
Vom Altglas zum Beitrag für sauberes Wasser
Was bei Dryden Aqua entsteht, ist ein Beispiel dafür, wie Recycling, Wasseraufbereitung und industrielle Präzision zusammenwirken können. Aus gebrauchten Glasflaschen wird ein Hochleistungs-Filtermedium. Aus einer Sortieraufgabe wird ein zentraler Bestandteil der Produktqualität. Und aus einer langjährigen Zusammenarbeit entsteht ein Prozess, der auf die Vision von Dryden Aqua einzahlt: sauberes Wasser für möglichst viele Menschen zugänglich zu machen.