Das Problem: Gleich aussehen, unterschiedlich sein
Für Food-Grade-rPET gilt gemäß EU-Verordnung 2022/1616: Nur Verpackungen, die bereits im Lebensmittelkontakt standen, dürfen wieder in den Lebensmittelkreislauf. Eine Fertiggericht-Schale ist zulässig, eine Blisterverpackung für Schrauben jedoch nicht. Chemisch sind beide PET und damit für klassische Nahinfrarot (NIR)-Sortiersysteme identisch.
„Die Anforderungen an lebensmittelechtes Recycling verlangen außergewöhnliche Präzision bei der Sortierung", sagt Simone Tirelli, Technical Project Manager bei Faerch. „Mit unserer Anlage setzen wir uns dafür ein, Kunststoffabfälle in wertvolle Ressourcen zu verwandeln."
Die Lösung: Sensorfusion und KI-Erkennung
Cirrec setzt drei STEINERT UniSort PR EVO 5.0-Systeme ein, die jede Schale einzeln analysieren. Die Maschinen nutzen Sensorfusion: Eine hyperspektrale NIR-Kamera erfasst die chemische Zusammensetzung, während eine Farbkamera die visuellen Merkmale erkennt. Die Besonderheit dabei ist, dass beide Sensoren zur selben Zeit auf denselben Punkt des Materials schauen. Das verbessert die Datenqualität für das KI-Training und damit die Sortiergenauigkeit
Durch die Kombination beider Datenströme wird STEINERT Intelligent Object.Identifier (IOI) ermöglicht, ein KI-basiertes Sortierprogramm, das in diesem Fall auf die Erkennung von Lebensmittelverpackungen trainiert wurde. IOI erkennt charakteristische Muster wie Formen von Fertiggericht-Schalen, typische Bedruckungen und Oberflächenstrukturen.
Die STEINERT-Sortierung erreicht die für lebensmittelechtes Recycling erforderliche Reinheit von über 95 Prozent und schafft damit die Voraussetzung für alle nachfolgenden Prozessschritte.
Der Prozess
Nach der Anlieferung der Ballen durchläuft das Material zunächst die magnetische Separation: Der STEINERT UME Überbandmagnet entfernt Eisenmetalle, der STEINERT CanMaster Wirbelstromscheider trennt Nichteisenmetalle ab. Anschließend folgt die optische Sortierung mit den drei UniSort PR EVO 5.0-Sortiersystemen, anschließend das Mahlen, Waschen und die Weiterverarbeitung zu Flakes und Pellets.
Die Ergebnisse
Das aufbereitete Material fließt in die Produktion der Faerch Group, wo es zu neuen Verpackungen mit einem durchschnittlichen Recyclinganteil von 70 Prozent verarbeitet wird. Eine Lebenszyklusanalyse zeigt: Tray-rPET verursacht 57 Prozent weniger CO₂-Emissionen als Virgin-PET.
Cirrec ist damit der weltweit einzige Betreiber, der Post-Consumer-PET-Trays im industriellen Maßstab zu Food-Grade-Material recycelt. Für die Recyclingbranche ist das der Nachweis, dass echte Kreislaufwirtschaft für starre Lebensmittelverpackungen funktioniert – vorausgesetzt, die Sortierung stimmt.
Technologie mit Entwicklungspotenzial
Der Intelligent Object.Identifier ist keine statische Lösung. Die KI kann auf neue Sortieraufgaben trainiert werden. Ändert sich die Zusammensetzung des Inputmaterials oder kommen neue Verpackungsdesigns auf den Markt, lässt sich das System ohne Hardwaretausch anpassen. Was in Duiven funktioniert, lässt sich skalieren und zeigt, dass Tray-to-Tray-Recycling kein Pilotprojekt mehr ist.